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Mittwoch, den 12. Oktober 2005 um 09:33 Uhr |
Im
Winter 1944 näherte sich der Krieg wieder der Schweizer Grenze. Im
Westen und im Norden mussten sich die einst sieggewohnten Truppen der
Wehrmacht vor den überlegenen amerikanischen und französischen
Verbänden zurückziehen. Oftmals blieb den abgekämpften deutschen
Soldaten nur noch jener Ausweg, der im Sommer 1940 auch den
unterlegenen Franzosen entlang der Grenze offenstand - die Flucht in
die Internierung in der Schweiz. Die Flucht vor Kriegsgefangenschaft
stand aber nicht allen offen, so waren die Schweizer Grenztruppen
angewiesen, Angehörige der SS nicht ins Land zu lassen. Der "Zipfel"
von Ramsen etwa, eine Landecke des Kantons Schaffhausen, die nördlich
des Rheines nach Deutschland hineinragt, war in den letzten Apriltagen
1945 besonders von den Kämpfen jenseits der Grenze berührt.
Unser
Bild zeigt eine Szene am Grenzzaun auf der Schweizer Seite. Zwei
Wehrmachtsangehörige liessen sich internieren und erwarten ihren
Abtransport zu einem Sammellager. Sie werden von einem Gefreiten der
Schweizer Grenztruppen bewacht. Dieser hält vor sich seinen Karabiner
1911, während man in der anderen Hand eine Maschinenpistole 1940
erkennen kann, die er dem vor ihm sitzenden Deutschen abgenommen hat.
Der Wehrmann trägt die Felduniform der Ordonnanz 1940.
Vielfach
wurde bei den Grenztruppen das Tragen der Feldmütze anstelle des
Stahlhelms befohlen, damit nicht Schweizer mit Wehrmachtssoldaten
verwechselt würden. Eine Massnahme, die nicht immer wie geplant
funktionierte, da sich auch ohne Helme die Uniformen für den ungeübten
Blick zu sehr glichen.
Der sitzende Deutsche ist ein Veteran - seine
Auszeichnungen auf der rechten Brusttasche (Allgemeines Sturmabzeichen,
Eisernes Kreuz 1. Klass, Verwundetenabzeichen) zeugen von hartem
Einsatz. Der Mann gehört einer Aufklärungsabteilung an, seine
Schulterstücke weisen ihn als Wachtmeister aus. Er war als Truppführer
mit der Maschinenpistole bewaffnet und trägt die vereinfachte Feldbluse
1943. Anstelle der hohen Lederstiefel (Leder war knapp geworden) trägt
er Segeltuchgamaschen, welche oft als Ersatz für die "Knobelbecher"
herhalten mussten. In Händen hält er die Einheitsfeldmütze 1943, die
auch sein junger Kamerad im Hintergrund trägt.
Roger Rebmann
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