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Eidgenössischer Büchsenschütze 1476 |
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Mittwoch, den 12. Oktober 2005 um 09:45 Uhr |
Oft stellen alte Chronisten und auch noch Schulbücher des 20.
Jahrhunderts die 1375 einfallenden „Gugler“ oder das Armagnakenheer von
1444 als schrecklich plündernde Horden dar. Brutalitäten gegenüber der
Zivilbevölkerung waren aber nicht nur bei Guglern oder Armagnaken
üblich, auch die Eidgenossen waren nicht zimperlich.
Als rund 8000
eidgenössische Kriegsknechte zur Unterstützung der Lothringer gegen die
Burgungdertruppen Karls des Kühnen nach Nancy entsandt wurden, zogen
sie am 26. Dezember 1476 bei Basel ins befreundete Elsass ein. Dort
suchten sie unter dem Befehl des Zürchers Hans Waldmann das Land als
zügellose Schinder heim. Sie wüteten so schlimm, dass ihr Name bis ins
20. Jahrhundert ein Synonym des Schreckens blieb. Mir berichtete noch
1992 ein Elsässer Landwirt, dass man ihnen als Kinder mit den „Suisses“
gedroht hätte, falls sie ihren Teller nicht ausessen würden.
Das
Bild zeigt einen dieser Eidgenossen auf dem Zug nach Nancy. Er bezahlt
eben seine ruchlosen Absichten mit einer gebrochenen Nase, zu welcher
ihm eine resolute elsässische Magd mit einer Zinnkanne verhilft. Bei
unserem Schurken handelt es sich um einen Büchsenschützen, von denen
etwa 1000 Mann im eidgenössischen Gewalthaufen und 800 in der Nachhut
am 5. Januar 1477 bei Nancy kämpften.
Im Verlaufe des 15.
Jahrhunderts hatten Büchsenschützen immer mehr an Bedeutung gewonnen,
obwohl ihre Waffe noch in vielen Belangen zu verbessern war. Das Gewehr
unseres Mannes liegt hier auf dem Boden und ist ein sehr primitives
Modell. Der Lauf mit einem Zündloch war auf ein schaftähnliches Stück
Holz montiert. Gezündet wurde der Schuss indem der Schütze eine
glühende Lunte von Hand ans Zündloch führte. Es gab schon Modelle mit
schlichtem Abzug, allerdings sind wenige davon für den Zug nach Nancy
belegt. Das Schwarzpulver trägt er in einer Kanne um den Hals
geschlungen auf dem Rücken. Ebenfalls umgehängt hat er eine Tasche mit
Kugeln und Lunten.
Als Zweitwaffe trägt er einen Schweizerdegen am
Gurt. Hose, Jacke und die Schlupfhaube um den Hals sind hier ziviler
Herkunft, wobei es auch uniformähnliche Kleidung in den Farben des
eidgenössischen Standes gab. Gelegentlich wurde unter der Jacke ein
kurzes Kettenhemd als zusätzlicher Schutz für den Nahkampf getragen.
Der so genannte Eisenhut unseres Büchsenschützen vermochte in diesem
Fall den Kopf nicht gegen die Zinnkanne zu schützen.
Roger Rebmann, Basel
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