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Mittwoch, den 12. Oktober 2005 um 09:43 Uhr |
Ende
der 50er-Jahre gewann man die Erkenntnis, dass der Schweizer Soldat
eine neue Feldbekleidung benötigt, welche dem Zeitalter des
Sturmgewehrs angepasst ist. 1958 fiel die Wahl auf jenen Kampfanzug,
der dann drei Jahrzehnte lang das Bild des Wehrmannes mitprägen sollte.
Im August 1959 defilierte die Artillerie-RS Sidon im neuen „Kämpfer“
(vulgo „Vierfruchtpyjama“), der somit erstmals einem grösseren Publikum
vorgeführt wurde. Mit diversen kleineren Modifikationen blieb der
zuletzt als „Kafaz 70“ bekannte Anzug bis in die 80er-Jahre im Dienst.
Er dürfte mit den unverwechselbaren Farben wohl einzigartig in der Welt
sein, und auch die zahlreichen Taschen erstaunten manchen Rekruten beim
Kleiderfassen.
Eben diese Taschen machten es möglich, dass der
Wehrmann nahezu den gesamten „Hausrat“ am Körper mitführen musste. Es
ist nicht immer vorteilhaft, wenn von der Gamelle bis zum
Sturmgewehrmagazin alles in den Taschen des Wehrkleides rumrasselt.
Wenn
je ein Schweizer Wehrmann auf dem Schlachtfeld verwundet worden wäre,
dann hätte man rasch herausgefunden, dass man ihn förmlich bis auf die
Unterhose ausziehen musste, um ihn von seiner kunstvoll durch Schlaufen
und Klammern und Karabinerhaken verbundenen Ausrüstung zu trennen.
Heute
begegnet man dem Kafaz zuweilen in den Liq-Shops; und auch der
Schreibende hat sich aus Nostalgie einen gekauft, auch wenn er ihn vor
zwölf Jahren ganz furchtbar verabscheut hat.
Unser Mitrailleur hat
gerade an einem Kiesweg in einem Vorgarten sein MG51 in Stellung
gebracht. Er trägt den neuen Stahlhelm 71 mit Tarnbezug, wobei das
weisse Kunststoffband ihn in diesem Manöver als den „böFei“, den
Angreifer, bezeichnet. Zum Kampfanzug trägt er den kleinen Rucksack,
welcher mit zwei Metallklammern und einer Stoffschlaufe an der Jacke
fixiert wurde. An diesem Rucksack wurde auch der Schanzspaten
befestigt. Unter der Jacke trägt er einen „Gnägi-Pullover“ und ziemlich
sicher einen blauen Faserpelz eines skandinavischen Herstellers. In den
Jackentaschen brachte man nebst Feldflasche und Gamelle auch diverses
weiteres Material unter, sodass die Taschen immer zum Bersten voll
waren.
Die Hosenbeine steckten in Ledergamaschen die mit drei
Schnallen zu schliessen waren. Die Hosenträger der Beinkleider neigten
dazu zu verrutschen oder aufzugehen, wenn man sie nicht kraftvoll und
ordonnanzwidrig zu verknoten wusste. In den Knietaschen fanden im
Gefecht häufig die Stielhandgranaten Platz, auf dem Marsch wurde dort
die Feldmütze 49, genannt „der Mutz“ verstaut, aber nur wenn dies
obrigkeitlicherweise angeordnet war...
Roger Rebmann, Basel
Schweizer Soldat 7-8/2001
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