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Mittwoch, den 12. Oktober 2005 um 09:42 Uhr |
Der Dreissigjährige Krieg, der Mitteleuropa zwischen 1618
und 1648 heimsuchte, verschonte die Schweiz, obwohl sie damals noch ein
Teil des deutschen Kaiserreiches war. Es gelang den Eidgenossen, sich
trotz eigener religiöser Differenzen aus diesem mörderischen Konflikt
zwischen Katholiken und Protestanten herauszuhalten. Dennoch berührte
der Krieg unser Land wiederholt am Rande, und schon damals tat der
Grenzschutz not. Die Heimatgemeinde des Schreibenden kam als Dorf am
Rhein (Basel) mehr als einmal mit diesem Krieg in Deutschland in
Kontakt. Bereits 1623 mussten während vier Monaten 13 Musketiere, 4
Mann in Rüstung, 8 Spiessknechte, 6 Hellebardiere, 2 Trommler und 15
Junggesellen ohne Übergewehr bei Augst am Rheinufer Grenzwache halten.
In den folgenden Kriegsjahren zogen fremde Truppen unter Verletzung der
schweizerischen Neutralität durch den Pratteler Bann. Im Jahr 1633 war
es ein katholisches Heer des Kaisers von 25'000 Mann unter Herzog
Feria, im Januar 1638 waren es 6'000 Mann vom protestantischen Heer
Herzog Bernhards von Sachsen-Weimar.
Schwedische Moradeure suchten
das Baselbiet heim und verbreiteten Furcht und Schrecken. Am 28.
Februar 1638 kam es bei Pratteln zu einem Gefecht zwischen kaiserlichen
Truppen und weimarischer Reiterei, wobei 6 Tote zurückblieben. Die
Pferde und das liegengebliebene Kriegsmaterial wurden eingesammelt und
ins Schloss von Pratteln gebracht.
Im Mannschaftsrodel des Amtes
Müchenstein von 1636 findet sich unter den Pratteler Wehrpflichtigen
auch ein direkter Ahne des Schreibenden. Hans Rebmann tat als Musketier
Dienst bei der Miliz.
Auf der Darstellung sehen wir ihn in voller
Ausrüstung vor dem Pratteler Schloss. In der rechten Hand hält er die
Luntenschlossmuskete, welche zum Schuss auf der Gabel, die in seiner
linken Hand zu sehen ist, aufgelegt wurde. Die Zündung erfolgte mit
einer salpetergetränkten Lunte, die stets glimmend mitgeführt wurde.
Beim Abziehen schnappte der Hahn vor und drückte die Lunte in die
Pfanne mit Zündkraut, was schließlich die Ladung im Lauf zündete.
Geladen wurde die Muskete mit den am Bandelier getragenen
Pulverbehältern aus Holz, auch bekannt als die „12 Apostel“. In jedem
dieser Behälter befand sich die abgemessene Pulvermenge für je einen
Schuss. Das Zündkraut trug der Musketier in einer eigenen
Pulverflasche, hier erkennbar an der rechten Seite neben den
Reservelunten am Bandelier. Das Laden erfolgte, je nach Reglement, nach
bis zu 14 einzelnen Befehlen.
Als Zweitwaffe trägt Hans hier ein
Rapier, denn Bajonette gab es seinerzeit noch nicht. Im Gefecht schwang
man jedoch eher die Muskete, denn nur die wenigsten waren geübt im
Fechten, aber mit dem Kolben dreinschlagen konnte jeder.
Uniformen
waren damals wenig verbreitet. Wie zu Zeiten der Eidgenossen zog der
Mann in der eigenen Kleidung ins Feld. Zu seinen Strümpfen trägt Hans
hier weite Kniehosen, einen groben Kittel, ein Leinenhemd und einen Hut
mit Krempe.
Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 6/2000
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