|
Mittwoch, den 12. Oktober 2005 um 09:42 Uhr |
Als
einer der ersten Kantone begann Bern im 17. Jahrhundert mit der
uniformen Einkleidung seines Heeres. Es waren vermutlich Berner
Offiziere in französischen Diensten, welche die Idee einer
einheitlichen Soldatenkleidung in die Heimat mitbrachten. Ab 1683
begann die Obrigkeit mit sanftem Druck auf die Einführung einer
Einheitsuniform hinzuarbeiten, dabei legte man beispielsweise
besonderen Wert auf die Ausstaffierung mit breitkrempigen Hüten, die
vor Regen schützen sollten. Nicht minder fortschrittlich gab man sich
in der Frage der Bewaffnung. Während 1712 die Innerschweizer Truppen
noch überwiegend mit Hieb- und Stichwaffen in die zweite Schlacht von
Villmergen zogen, traten ihnen die bernischen Gegner in Feuerlinien zu
drei Gliedern mit modernen Steinschlossmusketen entgegen.
Die
Uniformierung der Berner Miliz ging jedoch nicht allerorten zügig
vonstatten. Ein Erlass von 1726 legte fest, dass jedermann, der sich
vom Pfarrer trauen lassen wollte, zunächst beweisen musste, dass er
über eine gehörige Militärausrüstung und Uniform verfügte, die er
übrigens auf eigene Kosten anzuschaffen hatte.
Unser Füsilier der
Berner Miliz trägt einen schwarzen Dreispitz mit Rosette. Der graue
Uniformrock, „Kasake“ genannt, hat rote Ärmelaufschläge. Die
zahlreichen Knöpfe wurden selten vollständig zugeknöpft, man
beschränkte sich oft auf ein paar geschlossene Knöpfe in Gurthöhe. Um
den Hals ist die vorschriftsmässige schwarze Halsbinde zu sehen. Hosen
und Strümpfe waren rot. Auf seiner rechten Seite trägt der Füsilier am
hellledernen Bandelier die Munitionstasche. Das Gurtzeug mit Degen und
Bajonett besteht ebenfalls aus hellem Leder. Auf der Schulter ruht die
Steinschlossmuskete, welche damals selten einen Tragriemen hatte.
Offenbar neigte man in jenen Jahren dazu, dem Milizsoldaten zu viel in
Sachen Drill abzuverlangen. Noch 1767 riet General Rupertus Scipio von
Lentulus bei der Inspektion des bernischen Wehrwesens „...das Landvolk
nicht so sehr mit denen Handgriffen zu plagen; diese vollkommen zu
können, ist für eine Miliz eine Zierde und keine Notwendigkeit“.
Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 1/2001
|