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Mittwoch, den 12. Oktober 2005 um 09:40 Uhr |
In
Napoleons Linienregimentern wurden die besten und kräftigsten Männer
der Grenadierkompanien als Sappeure eingesetzt. Diese Truppenhandwerker
hatten wichtige Aufgaben, wie etwa das Freimachen von Marschrouten,
Vorbereiten von Biwakgelände, Erstellen von Feldbefestigungen oder auch
Schiessscharten in bestehende Mauern zu schlagen. Dieser Dienst
erforderte Mut und Körperkraft. Als Anerkennung für ihren Einsatz
erhielten die Sappeure das Privileg, an der Spitze der Kolonne zu
marschieren, bei der Fahne und dem Regimentsspiel. Darüber hinaus
stellten sie die Wachen vor dem Hauptquartier, und sie genossen das
exklusive Recht, Bärte zu tragen. Noch heute führen bei der Parade zum
14. Juli in Paris axtbewehrte, bärtige Sappeure in weissen
Arbeitsschürzen stolz das Kontingent der Fremdenlegion an.
Viele
napoleonische Traditionen sind von Fremddienstleistenden in die Schweiz
gebracht worden, und fanden so ihren Weg in die junge Milizarmee des
Bundesstaates. Es verwundert daher kaum, dass der Sappeur hierzulande
seinem französischen Paten sehr ähnlich sah.
Unser Bild zeigt einen
Sappeur des Aargauer Infanteriebataillons 15 im Jahr 1856. Die
Tschakogarnitur mit Pompon, Kantonskokarde (Blau-Schwarz) und
Nummernplakette entspricht derjenigen seiner Stammkompanie im
Bataillon. Gemäss der napoleonischen Tradition sind seine Epauletten
rot wie jene der Grenadiere. Sein dunkelblauer Frack mit zwei
Knopfreihen hat einen gleichfarbigen Kragen mit einem roten Vorstoss.
Auf dem Oberarm ist das Fachabzeichen des Zimmermanns zu sehen - zwei
gekreuzte rote Äxte. Im aktiven Dienst stehend, trägt er am linken Arm
die eidgenössische Armbinde. Über dem Arbeitsschurz aus weissem Leder
sieht man den weissen Ceinturon mit Messingschloss. Das Tragfutteral
für die Arbeitsaxt hängt an einem weissen Bandolier über der linken
Schulter. Unter der Schürze kann man eben noch die blaue Hose und die
Gamaschen erkennen. Die gesamte Uniform entspricht der eidgenössischen
Ordonnanz 1852. Über der Schulter trägt der Sappeur seine
Zimmermannsaxt. Ihr Schaft ist in den Nationalfarben Weiss und Rot
gestreift. Eine Mode, die kantonal variierte und in der sich oft auch
die Standesfarben wiederspiegelten.
In der Schweiz zogen die
Sappeure lange, wie zu Napoleons Zeiten, an der Spitze der
Marschkolonnen einher. Sie hielten dabei ihre Axt rechts geschultert
und stemmten in aufrechter Haltung die Hand (häufig wurden weisslederne
Stulpenhandschuhe getragen) in die Hüfte. Ihr Truppenstolz war
hervorgegangen aus demjenigen der Schweizer Veteranen in Napoleons
Armee und er wird gewiss auch bei den Sappeuren der Armee XXI
weiterleben.
Roger Rebmann, Rost und Grünspan
Schweizer Soldat 10/2000
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