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Mittwoch, den 12. Oktober 2005 um 09:37 Uhr |
Am
3. August 2000 jährt sich zum 86. Male die Kriegsmobilmachung von 1914.
Niemand ahnte in jenen Sommertagen, dass in den folgenden Jahren die
„Belle Epoque“ zwischen Stacheldraht, Granattrichtern und Giftgas ihr
Ende mit Schrecken finden würde. Die Schweiz mobilisierte 250'000 Mann
Kampftruppen, um ihre Grenzen zu schützen. Das neue Antlitz des
Krieges, ohnehin nie freundlich anzusehen, wurde geprägt durch das
Maschinengewehr. Es vernichtete ganze Wellen von Angreifern, die noch
in dichten Linien voranstürmten. Damit legte es den Grundstein für
jenen furchtbaren Grabenkampf, der den Krieg von der Schweizer Grenze
bis zur Küste Belgiens erstarren liess, weil keiner der Gegner mehr in
der Lage war, die Front des Feindes im Kugelhagel der MGs zu
durchbrechen.
Auch in der Schweiz hatte man die Bedeutung der
Maschinengewehre erkannt. Nach eingehenden Tests bei den
Festungstruppen wurde im Jahr 1898 zunächst die Kavallerie mit den
neuartigen Waffen ausgerüstet. Bei der Infanterie fand im Jahr 1912
erstmals eine Mitrailleur-Rekrutenschule statt, wobei ein Rekrut im
Minimum 1.60 Meter gross sein musste. Bei der Mobilmachung verfügte
jede der sechs Divisionen über eine Maschinengewehrabteilung aus drei
Kompanien. Jede Kompanie verfügte über vier Maschinengewehre. Mit
Wasser im Kühlmantel wog die Waffe 23 Kilo. Die offizielle Bezeichnung
war „Schweizer Maschinengewehr 1911“. Es hatte dasselbe Kaliber (7.5 mm
Swiss) wie das neue Infanteriegewehr.
Unser Bild zeigt zwei
Mitrailleure im Feldtenue. Während der eine das MG auf dem Tragref
transportiert, kann man beim zweiten die Lafette erkennen, die
ebenfalls 23 Kilo wog. Die Männer sind zusätzlich mit dem Karabiner
1911 bewaffnet, zu dem sie als Blankwaffe das Stichbajonett Modell 1908
tragen. Ihre Uniform der Ordonnanz 1898 besteht aus der dunkelblauen
Bluse, welches als Arbeits- und Exerziertenue zum Korpsmaterial zählte.
Die drei Zierknöpfe und die gezahnten roten Patten an den Ärmelenden
hoben den Mitrailleur vom Füsilier ab. Sie waren eigentlich nur auf dem
Waffenrock erlaubt, doch die Eitelkeit bahnte ihnen den Weg auf die
Exerzierjacke. Die Beinenden oder dunkelblauen Hosen mit dem roten
Passepoil an der Naht sind mit kurzen Wickelgamaschen umwunden. Nebst
den Patronentaschen Modell 1911 sehen wir beim Mann rechts eine lederne
Umhängetasche für die Zieloptik. Der andere Mitrailleur trägt am Bauch
eine Werkzeugtasche. Ihre Tschakos entsprechen der Ordonnanz 1898 mit
Pompon in Kompaniefarbe, der eidgenössischen Kokarde, den gekreuzten
Gewehren aus weissem Metall (ab 1917 trugen die Mitrailleure gekreuzte
Maschinengewehre) und der Kompanienummer, die auf dem Waffenrock auch
als Achselschlaufe getragen wurde.
Roger Rebmann, Rost und Grünspan, Basel
Schweizer Soldat 9/2000
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