|
Mittwoch, den 12. Oktober 2005 um 09:35 Uhr |
Unter
der Führung von Willy Ernst Rohr hatte sich bis 1916 an der Westfront
ein Sturmbataillon gebildet, welches speziell für den Angriff auf
Grabenstellungen ausgebildet war. Die Truppe hatte sich derart bewährt,
dass von zahlreichen Verbänden Offiziere und Unteroffiziere zur
Ausbildung in das Bataillon geschickt wurden, damit sie das erworbene
Wissen an ihre eigenen Einheiten weitergeben konnten. (In den
Zwanzigerjahren nannten die Nationalsozialisten ihre berüchtigte
Rabaukentruppe nach diesen Sturmabteilungen SA.)
Sehr spät in diesem
Krieg kam auch in der Schweiz der Gedanke an eine derartige
Spezialeinheit auf. Nach einem Antrag von General Wille ordnete der
Bundesrat 1918 die Formierung einer solchen Truppe an. Aus
unterschiedlichen Waffengattungen der 5. Division wurden pro Kompanie
zwei bis drei tüchtige Wehrmänner, zumeist Sportler, ausgewählt und der
neuen Sturmabteilung 5 zugeteilt. Insgesamt umfasst die Truppe rund 100
Mann. Bei Mariastein wurde ein „Sturmgarten“ angelegt, ein
Übungsgelände für den Grabenkampf, wie es die Deutschen für ihre
Sturmtruppen um Sedan geschaffen hatten, nur um einiges kleiner.
Im
Zusammenspiel mit Feldartillerie und mit Mitrailleuren wurde bei
Mariastein der Grabenkampf realistisch geübt. Der General war bei einem
Truppenbesuch im November 1918 beeindruckt von den Leistungen der hart
trainierten Sturmsoldaten, doch der Aktivdienst ging zu Ende, und die
Abteilung wurde aufgelöst. Den einzigen Einsatz hatte die
Sturmabteilung während des Generalstreiks als Ordnungstruppe in Basel.
Unsere
drei Sturmsoldaten lassen einige typische Details ihrer Ausrüstung
erkennen. Die Waffe war der Karabiner 1911 mit dem Stichbajonett,
dessen Vierkantnadelklinge dicken Uniformstoff besser als jene des
üblichen Langgewehrbajonetts durchstiess. Auch die deutschen
Sturmtruppen trugen anstelle der langen Gewehre den kurzen
Mauser-Karabiner.
Eine andere Anleihe bei den Deutschen waren die
Lederbesätze auf den Hosenknien. Die Sturmsoldaten waren die ersten,
welche den neuen Stahlhelm trugen. Schanzwerkzeug, Drahtschere und
Handgranaten in Taschen mitgeführt, gehörten zur Spezialausrüstung im
Grabenkampf.
Der Komponist der „Gilberte de Courgenay“, Hans in
der Gand, widmete der Sturmabteilung 5 ein eigenes Lied, welches die
Vielfalt der vertretenden Waffen zeigt:
„... By üs hät’s Infatrie,
by üs hät’s Artillerie, by üs hät’s Mitrailleur und by üs hät’s
Sappeur, und jede i der Not e ganze Kamerad, e stolzes jungs frischs
Bluet, e Sturmsoldat ...“
Roger Rebmann – Rost und Grünspan
Quelle „Der Tanzbödeler“ Nummer 66,
Schweizer Soldat 5/2001
|